Im August zeigt sich der Sommer noch einmal so richtig in seiner ganzen Pracht.
Erntezeit. Überall sieht man bunte, pralle, reife Früchte, bereit gepflückt, gegessen oder eingelagert zu werden.
Sommerzeit. Zeit der Fülle. Zeit der Freude. Zeit des Glücks.
Und doch schleicht sich gerade in dieser Zeit ein Hauch von Wehmut in mir ein. Erntezeit läutet doch immer auch ein Ende ein.
Nein, es gelingt mir noch immer nicht ganz mich nur am hier und jetzt zu erfreuen. An all der natürlichen Fülle, die sich mir geradezu aufdrängt, bereit sich mir zu schenken, in mich zu ergießen.
Immer wieder stelle ich Dich auf die Probe.
Dabei müsste ich doch einfach nur VERTRAUEN.

Ich schlendere gemütlich einen Feldweg entlang. Das Korn am Feld leuchtet mir strahlend gelb und einladend entgegen.
Ich breche eine Ähre ab. Zerbrösle sie sanft in meinen Händen, bis sich die Essenz, das reife Korn von der Schale löst.
Ich lasse den Rest der Schale auf den Boden fallen. Betrachte das kleine Stück Saatgut in meiner Hand. Rieche daran. Lasse es achtsam in meinen Mund gleiten.
Versuche jedes Detail zu er schmecken. Möchte es ganz in mich aufnehmen. Je länger man daran kaut, desto süßlicher wird es. Irgendwann gibt es nichts mehr zu kauen und mit einem kleinen Ruck schlucke ich es hinunter. Spüre dem sinnlichen Erlebnis nach.
Ich schlendere gemütlich einen Feldweg entlang. Das Korn am Feld leuchtet mir strahlend gelb und einladend entgegen.
Ich breche eine Ähre ab. Zerbrösle sie sanft in meinen Händen, bis sich die Essenz, das reife Korn von der Schale löst.
Ich lasse den Rest der Schale auf den Boden fallen. Betrachte das kleine Stück Saatgut in meiner Hand. Rieche daran. Lasse es achtsam in meinen Mund gleiten.
Versuche jedes Detail zu er schmecken. Möchte es ganz in mich aufnehmen. Je länger man daran kaut, desto süßlicher wird es. Irgendwann gibt es nichts mehr zu kauen und mit einem kleinen Ruck schlucke ich es hinunter. Spüre dem sinnlichen Erlebnis nach.
Ein kurzer Moment gefühlter Ewigkeit. Aber sogleich meldet sich da wieder diese Stimme in meinem Kopf. Sollte ich nicht weitergehen. Zu Hause wartet so viel Arbeit auf mich. So viele Dinge, die doch eigentlich noch zu tun wären. Ein Widerstand macht sich bemerkbar. Ein ungutes Gefühl in meinem Bauch, Enge in meiner Brust. Ich gehe ruhig weiter.
Die Stimme in meinem Kopf meldet sich wieder. Ich werde wütend, klage Dich an. Warum? Warum lässt Du mich nicht einfach in Ruhe. Ich möchte doch nur spazieren gehen. Ein bisschen Ruhe haben. Ist das wirklich zu viel verlangt? Darf ich nicht einmal das?
Immer wieder stelle ich Dich auf die Probe.
Dabei müsste ich doch einfach nur VERTRAUEN.

Der Weg endet auf einer Lichtung, die gesäumt ist von Apfelbäumen. Ich nähere mich einem Baum. Ertaste eine der Früchte und neuerlich versuche ich mich auch damit ganz tief vertraut zu machen.
Der Apfel ist nicht besonders groß, er glänzt auch nicht. Seine Beschaffenheit ist ganz anders als die Äpfel, die man aus dem Supermarkt gewöhnt ist.
Ich drehe den kleinen grünen Apfel in meiner Hand. Entdecke kleine braune Punkte auf seiner leicht rauen Oberfläche. Irgendwie erinnern sie mich an Sommersprossen. Ich muss schmunzeln. Meine Fantasie entfaltet sich. Ich entdecke eine Nase, Ohren, einen Mund. Der Apfel grinst mich an, flüstert leise „iss mich“. Ich führe ihn ganz nah an meinen Mund. Inhaliere seinen aromatischen Duft, öffne meine Lippen, setze meine Zähne vorsichtig an und beiße behutsam zu.
Ich finde kein passendes Wort für dieses Geräusch, wenn man in einen reifen Apfel beißt. Ich bin sicher ihr habt es alle im Ohr. Der Apfel, das meistgegessenste Obst im Land. Ein Feuerwerk an Eindrücken passiert meine Geschmacksnerven, während ich das abgebissene Stück in meinem Mund beim Kauen hin und herschiebe. Ein Gefühl der Seligkeit durchströmt mich.
Der Moment hält nur kurz. Ein anderer Fußgänger gesellt sich zu mir und beginnt mir einen Vortrag darüber zu halten, ob das meine Bäume wären und, dass man doch nicht einfach irgendwo einen Apfel vom Baum holen dürfte. Einen kurzen Impuls lang möchte ich in einem Donnerwetter all meinen Frust auf ihn abladen. Von wegen was ihn das eigentlich angeht, ob er nichts Besseres zu tun hat und, dass Besitz sowieso nur ein Konzept der Menschen ist, um über ihre innere Leere hinwegzutäuschen und andere zu unterdrücken.
Doch ich gebe dem Impuls nicht nach. Nein, diesmal, nicht. Ich habe keine Lust mehr auf solche Diskussionen. Ich nicke ihm freundlich und ohne Worte zu. Drehe mich um und gehe weiter. Den Rest des Apfels werfe ich in die Wiese. Mir ist die Lust am Essen vergangen.
Immer wieder stelle ich Dich auf die Probe.
Dabei müsste ich doch einfach nur VERTRAUEN.

Ich schlendere weitere, eine gefühlt halbe Ewigkeit, ganz eins mit mir und der mich umgebenden Landschaft. Ich sehe Wälder, ich sehe Wiesen. Ich sehe Blumen, ich sehe Sträucher. Beobachte Schmetterlinge, Schnecken, Singvögel und alles Mögliche Kleingetier. Die Sonne sticht heiß vom Himmel herunter. Ich suche Kühlung unter dem Schatten der Bäume, die den Weg säumen.
Ich lausche der harmonischen Melodie aus Vogelgezwitscher und Insektensummen, da und dort durchbrochen vom Klopfen eines Spechtes oder Motorengeräuschen aus der Ferne.
Menschen begegnen mir erst wieder als ich in ein kleines Dorf gelange.
Hektische Betriebsamkeit macht sich dort breit. Einem Holzschild entnehme ich die Botschaft, dass heute ein Erntedankumzug stattfindet. Viele Menschen strömen in die gleiche Richtung zur Hauptstraße hin. Ich füge mich ein in den Sog der laufenden Menschen und stelle mir wieder einmal die Frage, warum es dort wo viele Menschen zusammenkommen, zunächst einmal nur laut ist.
Aber bald werde ich von der guten Laune doch irgendwie angesteckt. Viele bunte Wägen ziehen vorüber, prachtvoll geschmückte Traktoren, darauf fröhliche Menschen in farbenfrohen Trachten. Süße kleine Mädchen mit geflochtenen Zöpfen, freche kleine Jungs in Lederhosen. Mittendrin marschiert ein Blasmusikorchester und vertraute heimische Melodien klingen in meinen Ohren.
An einer Holz Bude erblicke ich ein Lebkuchenherz mit der Aufschrift „Kleiner Liebling“, das ich in einem Anflug von Nostalgie um 8 Euro erwerbe. Gleich darauf ärgere ich mich so viel Geld dafür ausgegeben zu haben. Es hängt ja doch nur zu Hause rum, ein weiterer Gegenstand, sinnloser Nippes der verstaubt…
Immer wieder stelle ich Dich auf die Probe.
Dabei müsste ich doch einfach nur VERTRAUEN.

Es ist spät geworden. Die milde Abendsonne wärmt meine Haut. Ich mache mich zurück auf den Heimweg. Mit nun eilig konzentrierten Schritten, wenig von der Umgebung wahrnehmend mache ich mich auf den Heimweg.
Das Lebkuchenherz um meinen Hals betrete ich mein Haus. Ich nehme es ab und stelle es liebevoll in die Mitte des Küchenfensters. Irgendwie fühle ich mich doch glücklich, beseelt mir diese Auszeit vom Alltag genommen zu haben. Ein Gefühl von Dankbarkeit durchströmt mich.
August. Wärme, Natur, Leben. Ein Leben in Fülle.
Der Staub zu Hause? Er hat geduldig auf mein Heimkommen gewartet. Ich lächle ihm milde zu, greife mir den Staubsauger und mache mich ans Werk.
VM, August 2024